aufgewärmt: fishermans fiend

gebaut von pulsiv, 18. July, 2008 um 12:28 Uhr

herr basti fragt nach alten, womöglich zu kurz gekommenen beiträgen? ok… dieser hier dürfte vielleicht einigen zuhörern der ersten jenaer bloglesung noch bekannt sein…

“Sind sie noch frei, oder warten sie auf wen?”
“Nein nein, steichense ein. Wo solls hingehn?”
Drei Busse fahren von der Haltestelle Damaschkeweg. Zwei davon in meine Richtung. Eine Minute zu spät bin ich. Keine Chance.
“Ich müsste nach Lobeda-Ost. So in Richtung Netto-Kaufhalle. Wissen sie?”
“Ja, keen Problem. Das ist doch da hinten. Da bei der Fritz-Ridder-Strooße, oder?”
“Nein. Lobeda Ost. Nicht West!”
Ich mag Taxis. Gepflegte Autos, die nahezu immer wie frisch aus dem Werk riechen. Kein Schmutz, keine Krümel, das Nichtraucher-Zeichen klebt auf der Abdeckung vom Handschuhfach.
Aber halt! Es stinkt. Was stinkt hier so? Ich finde es heraus, als er sich mit seiner ersten Banalität an mich wendet.
Ein kleiner, dreckiger Kuhstall ist das. Mit schlecht geputzten, schwarz gescheckten Mini-Kühen drin.
Ich schaue aus dem Fenster und schalte auf den Polemik-für-Anfänger-Modus. Irgendwo hatte ich doch noch Kaugummies in der Tasche.
Wahrscheinlich ist er sich der Zermürbungskraft seiner Oralaura bewusst geworden, denn er schaut jetzt aus seinem Fenster. Im Radio Nachrichten.
Der Nahost-Konflikt ist ein willkommenes Thema zum loswerden von Halb- und Viertelwissen.
“Da kömmer ja noch froh sein, das die keene Adoombombm ham.”
“Da wär’ ich mir nicht so sicher.”
“Was mein’se?”
“Also Israel und Iran haben definitiv Atombomen. Und dass schon länger.”
“Na dann Prost Mahlzeit.”
Ja Mahlzeit! Was hat der eigentlich gegessen, dass der so fies müffelt? Mir kommt irgendwie das Wort “Leichenschmaus” in den Sinn. Anders interpretiert natürlich.
Mittlerweile hab ich die Packung Kaugummies in der Hand. Ich lasse sie aber noch im Rucksack. Wie eine paranoide Oma ihr Reizgas. Immer bereit, im Anschlag.
“Die hom ne Unweddorwornung für heude rausgegehm.
Er spricht zu seinem Außenspiegel, und so ziehen die Gewitterwolken aus seinem Rachen an mir vorbei.
Draußen fängt das Spektakel schon an. Die ersten Tropfen klackern lautstark auf die Frontscheibe.
Er beschließt, mein Leiden zu verschlimmern und macht die Fenster zu. Den daraufhin in mir aufsteigenden Zorn lasse ich an der Kaugummischachtel aus. Ich kann ihm doch unmöglich sagen, dass er so schlimmen Mundgeruch hat, dass einem die Karies-Bakterien leidtun müssten.
“Hohoor, jetz gehts aber los!”
Es prasselt wie Maschinenfeuer auf das Glas. Das hätte mein Schirm eh nicht mitgemacht. Seit der Vorstands-Mercedes drübergefahren ist, hilft der nichtmal mehr gegen Sprühnebel.
“Da hammse aber nochema Glück gehabt. Fümf Minuten später, und ich wär’ wech jewesen!”
Ja wirklich. Was für ein riesen Glück, dass ich in einer Stadt mit einer der höchsten Taxi-pro-Einwohner-Quoten, ausgerechnet die fahrende Gaskammer erwische. Aber es ist ja nicht mehr weit. Er weiß nur nicht genau wo meine Straße ist. Ist ja auch zu viel verlangt, sich als Taxifahrer in einer Gerade-mal-so-Großstadt ordentlich auszukennen.
Herrje, kann der mit diesem Atem eigentlich auch Nahrung zersetzen ohne zu kauen?
Da vorne ist der Eingang. Ich hol jetzt doch die Packung Kaugummi aus dem Rucksack.
“Also, das wären dann zehn vierzich.”
“Na gut, machen wir mal elf.”
Ich gebe ihm also einundfünfzig Euro. Er wühlt in seiner Geldbörse und ich kriege zwei Zehner wieder.
Moment… hab ich da gerade eben mit einem 30-Euro-Schein bezahlt? Ich frag lieber mal nach.
“Ähm, zwanzig krieg ich aber noch, oder?”
“Ach ja, richtig. Waren ja fuffzich. Tut mir leid.”
“Kein Problem. Wolln sie vielleicht’n Kaugummi?”
“Vielen Dank, nein.”
Der gute Mensch in mir hat das “besser wärs aber” runtergeschluckt. Warum eigentlich? Er stinkt fürchterbar aus dem Mund. Sollte man sowas einem Menschen nicht sagen dürfen? Egal. Ich muss jetzt hier raus. Wie gut, dass es grad regnet wie aus Baggerseen. Aber ich ertrinke lieber auf offener Straße, als in einem beigen Opel Zafira zu erstinken.
Ich bin klatschnass wie ich im Hauseingang stehe. Als ob ich die fünf Meter auf dem Grund eines Schwimmbeckens gelaufen bin. Der Stinker fährt davon.
Gut so. Bleib für immer in diesem Auto und verriegle die Türen damit niemand weiter vom Nebel des Grauens verletzt wird.
Leider nützt das ja auch nur teilweise.
Der Mundgeruch bleibt im Auto, aber dafür stinkt seine Dummheit noch zum Himmel.

6. etage zu “aufgewärmt: fishermans fiend”

  1. bastiH hat gebaut:

    MUAHAHAHHAHAAAA….. habe diesen artikel mal in einem artikel ÜBER DICH für ein portal erwähnt. falls du dich daran erinnerst ;) ?

  2. pulsiv hat gebaut:

    hm… dunkel… hat es was mit ner 1 zu tun gehabt? :P

  3. Die_Heldin hat gebaut:

    bis auf die letzten zwei sätze: großes pulsiv-kino ;)
    sie wissen ja, son bissel wut macht och son bissel sexy *fg

  4. pulsiv hat gebaut:

    schreibense mir doch zwei neue letzte sätze! ;)

  5. little-wombat hat gebaut:

    “wollen sie nen kaugummi???” Das fragst Du NACH der Fahrt??? :-O

    bissu bescheuert oder was?*g* Oder lebst Du schlicht nach dem Motto: Wer den Atem nicht ehrt, ist des Gummis nicht wert? :mrgreen:

  6. Ai Hua hat gebaut:

    Ich hätte es ihm auch gleich am Anfang angeboten… aber ob das was gebracht hätte. Irgendwie bezweifle ich es.

bauense ruhich auch was!