gemeinsam einsam – kurzschluss 4

gebaut von , 11. December, 2008 um 10:00 Uhr

die heutige und bislang 4. ausgabe von kurzschluss behandelt das thema “befreiung”. die anderen beiträge dieser ausgabe wurden verfasst von bastiH, karateküken, anna licht und patsy jones.

es ist nichts besonderes, was mir passiert ist. jeden tag trennt sich irgendwer von irgendjemandem.
wir hatten uns irgendwie verliebt. irgendwie war ziemlich viel rausch im spiel. und so hat es angefangen. unsere geschichte.

wir haben uns ein gemeinsames leben aufgebaut. gemeinsame wohnung, gemeinsamer urlaub, gemeinsame freunde. alles schön gemeinsam. in all diesem gemeinsam ist das individuum unserer jeweiligen persönlichkeit verloren gegangen. waren das wirklich unsere träume? oder war es nur sein traum, den ich aus bequemlichkeit oder mangelnden anspruchs mitgelebt habe? oder hat er vor lauter langeweile einfach meine träume mitgelebt?
fast zwei jahre unseres gemeinsamen lebens habe ich mit mir gerungen. mich gefragt, ist es DAS, was ich will? will ich wirklich mit diesem mann ewig zusammenbleiben? ja. ja. ja. und nochmals ja habe ich gedacht. und gefühlt? habe ich irgendwie nichts mehr.
es ist nicht einfach, sich von etwas zu befreien, was einem sicherheit gibt. wozu auch? ich wusste, ich werde geliebt. respektiert. geschätzt. eine kleine heile welt umgab mich bestehend aus allem, was ebend dazu gehört. seine familie. meine familie. als ob wir verheiratet gewesen wären. alle haben wahrscheinlich nur darauf gehofft beziehungsweise gewartet, dass wir uns endlich trauen. dass wir unserem glück die krönung aufsetzen. ein kind. bestehend aus unserem gemeinsamen fleisch und blut.
zja, wenn das mal so einfach gewesen wäre…
eines tages wachte ich neben ihm auf. wir haben uns geküsst. ich wollte mit ihm eins sein. aber es hat nicht funktioniert. ich habe ihn nach hause geschickt. ich habe geweint. drei wochen später habe ich es nicht mehr ausgehalten. alles in mir hat sich gewehrt. ich wollte nicht mehr zurück. und wir haben es beendet. ich habe es beendet.
am selben abend bin ich ausgegangen. mit freunden. und ich habe mich endlich frei gefühlt.
geplagt von schuldgefühlen, dass ich für seine misere nun verantwortlich bin, habe ich mein leben geordnet. mir ein neues geschaffen. mich von allem befreit, was ich nicht in kisten verstecken kann.
als ich den ersten tag zur arbeit durch den goldenen bayrischen herbstfuhr, dachte ich: wow, du hast es geschafft. du hast DAS echt durchgezogen. du hast dich wirklich von ihm getrennt. und so frei wie ich mich manchmal fühle, bin ich es lange noch nicht. es gibt so vieles, was mich an uns erinnert. an ihn.

für so etwas gibt es keine worte. und ich möchte es so gerne irgendwie verpacken. damit ich es endlich greifen und entsorgen kann. man kann sich von vielem befreien. von einer beziehung, in der man nicht mehr glücklich war. aber nicht von seinen gedanken. die hören nicht auf. dabei will ich mich einfach nur hinlegen und nichts denken. ich bin noch längst nicht frei, von den gedanken an ihn. von ihm.
so eine scheiße…

3. etage zu “gemeinsam einsam – kurzschluss 4”

  1. Anna Licht hat gebaut:

    “damit ich es endlich greifen und entsorgen kann.”

    Ja. Ja, bitte, Entsorgung, endlich.
    Ich steh zwar auf der anderen Seite einer beendeten, vormals nicht glücklichen Beziehung, aber: ja.

  2. cassiopeia hat gebaut:

    liebe anna,
    ich sach nur münchner freiheit :)

    lg cassio

  3. pulsiv hat gebaut:

    schade das nicht überall henkel dran sind… aber offenbar gings ja auch so. ;)

bauense ruhich auch was!