Aus dem Leben eines Loosers – Heute: Der Klopapierkauf

gebaut von geschichtenerzähler, 20. December, 2009 um 21:05 Uhr

Es gibt wirklich viele Dinge vor denen ich panische Angst habe und ich bin froh, dass man vor den Meisten einfach davonlaufen kann. Unangenehme Gespräche, Omas Strickpulligeschenke oder Frauen die ihre Tage haben. Viele Peinlichkeiten kann man sich mit einer einfachen Flucht ersparen.

Es gibt aber auch Dinge vor denen kann man nicht weglaufen, die verfolgen einen einfach und bleiben hartnäckig haften. Zum Beispiel wenn man beim Mittagessen kleckert oder wenn man mit offenem Hosenstall in der Sauna erwischt wird. Da kann man noch so schnell weglaufen, der offene Hosenstall oder der rote Soßenfleck hält Schritt im Schritt.

Aber am Schlimmsten sind wohl die Peinlichkeiten die unumgänglich sind und sich über einen längeren Zeitraum ankündigen. Wo man einfach schon vorher weiß, dass wird definitiv peinlich, aber man muss es trotzdem tun. Die Rede ist von dem Erwerb des Klopapieres. Das ist eine der größten Quälereien in meinem Leben. Ich hasse das, wenn die Leute einen schräg ankucken nur weil man im Supermarkt Klopapier kauft. Sie tun zwar so als ob das, dass normalste der Welt wäre, aber innerlich wissen sie ganz genau, welche Schweinereien ich damit vorhabe.

Das Drama beginnt mit der letzten Rolle. Je kleiner Sie wird, umso näher rückt das bevorstehende peinliche Ereignis. In dieser schwierigen Zeit existieren für mich keine Sekunden, Minuten oder Stunden mehr. Es geht nur noch darum wie viel Blatt ich von dem größten Peinlichkeitsereignis in meinem Leben entfernt bin. Die letzten hundert Blätter ereilen mich schlaflose Nächte. Tagsüber werde ich von Schweißattacken gepeinigt und ich traue mich nur noch ganz selten und nur in wirklichen Notfällen ins Bad. Mit den letzten 50 Blättern komme ich dann in die Verdrängungsphase. Ich ignoriere einfach die Klopapierrolle und tue so als ob sie nicht existiert. Für meine wenigen Freunde bin ich in dieser Phase unausstehlich und stinkig. Ich rede mir pausenlos ein, dass die Klopapierrolle keine Rolle mehr in meinem Leben spielt.
Innerhalb der letzten 10 Blätter akzeptiere ich dann endlich mein Schicksal und gebe den Kampf auf. Am Ende siegt die Rolle, da kann man machen was man will.
Den nächsten Tag nehme ich mir komplett frei und konzentriere mich voll und ganz auf den Kauf. Mit dem Auto fahre ich mindestens 100 Kilometer weit in eine beliebige Richtung und suche einen zufällig ausgewählten Supermarkt aus, in einer mir völlig fremden Umgebung. Nur so kann ich hundertprozentig gewährleisten, dass mich niemand aus meinem Bekanntenkreis beim Klopapierkauf erwischt.
Für den Kauf benötige ich mindestens einen ganzen Tag und die ersten Stunden verbringe ich damit, indem ich den Markt ausspähe, mein Objekt peinlicher Begierde lokalisiere und den schnellsten Weg, vom Papier zur Kasse berechne. Ist ihnen schon mal aufgefallen, dass das Klopapier immer an einer gut sichtbaren Stelle anstatt in irgendeiner finsteren und unauffälligen Ecke steht? Und häufig auch so, dass man damit vorher noch durch den ganzen Laden muss. Das ist doch der blanke Hohn!
Auf meinem mitgebrachten Campingstuhl lauere ich und warte auf einen günstigen Moment zum zuschlagen. In einem unbeobachteten Moment schnappe ich mir gleich drei Vorratspackungen und renne unauffällig zur Kasse hin. Ich habe Glück, niemand hat mich gesehen. Ich lege die Rollen auf das Warenband und zücke mein auf den Cent genau herausgesuchtes Bargeld. Ich atme erleichtert aus. Jetzt kann nix mehr schief gehen.

„Oh! Sie haben aber noch viel vor.“, sagt die Kassiererin grinsend. Ich erstarre zur Salzsäule. Blut schießt in meinen Kopf, färbt ihn krebsrot und passt sich der peinlichen Situation an. Das Bargeld klimpert auf die weißen Fließen und ich renne weg. So knapp am Erfolg vorbeigeschrammt. So knapp.

6. etage zu “Aus dem Leben eines Loosers – Heute: Der Klopapierkauf”

  1. Thomas Christopher hat gebaut:

    gut, dass darüber bloggen nicht ebenso peinlich zu sein scheint^^
    das kassiererinnenkommentar beim klopapierkauf kriecht einem echt immer den nacken hoch…

  2. Lady Bennett hat gebaut:

    männer… ihr habt sorgen.
    eins kann ich euch sagen. es gibt schlimmere dinge die man einkaufen muss außer klopapier… dass ist ja mal noch das harmloseste. ich könnte euch locker eine 2-seiten story über den kauf von kondomen schreiben. also echt mal, es gibt schlimmeres.

    lg, lady bennett

  3. MoMiMi hat gebaut:

    Ich muss mich der Lady anschließen, denn auch ich kenne peinlichere Einkaufsmomente.
    Männer… ihr habt ja K-E-I-N-E Ahnung!

  4. feronia hat gebaut:

    So viel Drama um Kloppapier? Was ist denn an dem Zeug so schlimm? Kauft jeder, braucht jeder, benutzt jeder.

    Einige Leute sollen ja auch Zeitungspapier kleinschneiden, zum Geld sparen. Ist aber wohl etwas hart an empfindlichen Körperstellen. Aber wenn die Furcht vor dem Erwerb so groß ist, vielleicht eine alternative…

  5. pulsiv hat gebaut:

    irgendwie verstehen die mädels die gewisse ironie hier nicht… ;)

  6. geschichtenerzähler hat gebaut:

    @pulsiv: Welche Ironie? Das ist alles wahr und aufs heftigste erstunken.

bauense ruhich auch was!